Aktien auf Kredit: Was Warren Buffet davon hält

Umfragen zeigen, dass die Deutschen beim Kauf von Aktien auf Kredit immer noch zurückhaltend agieren. Auch Star-Finanzinvestor Warren Buffett rät von einer Finanzierung der Wertpapiere ab.

Aktien auf Kredit: Nicht mit dem Geld anderer Leute spekulieren

Genauso wie in der Überschrift lässt sich die Meinung Warren Buffets zum Thema Aktien auf Kredit zusammenfassen. Der Großinvestor, der schon immer ein Händchen für gewinnbringende Projekte hatte, sieht in Wertpapieren große Chancen. Doch Wertpapiere auf Kredit zu kaufen sind für ihn ein No-Go. Seine Meinung stützt sich auf den Erfahrungen, die die Anleger zwischen 1975 und 2009 machen mussten, als immer wieder große Kurseinbrüche vorkamen und dafür sorgten, dass die Wertpapiere wertmäßig den Bach runtergingen. Buffett selbst bzw. sein Unternehmen Berkshire Hathaway durchlebte vier solcher Kurseinbrüche, dennoch kam das Unternehmen immer wieder nach oben und brachte es zu hohen Gewinnen. Buffett ist jedoch der Meinung, der Erfolg seiner Investitionen nicht durch einen Kredit ermöglicht wurde. Berkshire Hathaway war stets bestrebt, die Gewinne zu reinvestieren, was ein stetiges Wachstum zuließ. Zu keinem Zeitpunkt musste für die Investitionen ein Kredit erwirkt werden – was auch privaten Anlegern empfohlen sei.

Laut Warren Buffett kann auch der größte Finanzexperte nicht mit Sicherheit voraussagen, wie sich ein Kurs entwickeln wird und wann eventuell ein Absturz droht. Selbst geringe Investitionen können ins Aus führen. Buffett geht davon aus, dass vor allem bei einer Finanzierung nicht die nötige psychische Stärke für gute Investitionen gegeben sei. Denn wer Geld in Wertpapiere investiert, geht ohnehin schon ein Risiko ein. Dann aber wird bei einer Finanzierung mit fremdem Geld spekuliert, was noch einmal eine deutlich höhere psychische Belastung darstellt. Immerhin muss ein Kredit in jedem Fall zurückgezahlt werden, auch wenn er nicht den erhofften Nutzen gebracht hat. Verunsicherte Anleger lassen sich noch schneller von Schlagzeilen und Kommentaren beeinflussen, die sich mit möglichen Kursverlusten beschäftigen. Gute Entscheidungen können auf dieser Basis laut Buffett nicht getroffen werden.

Buffett geht davon aus, dass sich auch zukünftig Kurseinbrüche nicht vermeiden lassen. (Foto: Shutterstock – MIND AND I)

Buffett geht davon aus, dass sich auch zukünftig Kurseinbrüche nicht vermeiden lassen. (Foto: Shutterstock – MIND AND I)

Buffett geht davon aus, dass sich auch zukünftig Kurseinbrüche nicht vermeiden lassen. Wer seine Wertpapiere dann aber per Kredit finanziert, geht ein unkalkulierbares Risiko ein. Selbst die aktuellen Minuszinsen, die doch überaus verlockend sind, sollten nicht zur Leichtfertigkeit führen, denn es bleibt, was es ist: geliehenes Geld, mit dem spekuliert wird und das im schlimmsten Fall einfach weg sein kann. Es ist daher wichtig zu wissen, was beim Kauf von Aktien wirklich wichtig ist und worauf es ankommt. Vor allem aber kommt es laut Buffett auf ein ausreichendes finanzielles Polster an, sodass tatsächlich nur mit Gewinnen spekuliert wird. Sind diese verloren, wurde immerhin kein Erspartes angegriffen oder es muss ein Kredit zurückgezahlt werden, der der erste Schritt in die Schuldenfalle sein könnte.

Das passiert, wenn die Finanzierung schiefgeht

Gesetzt den Fall, Warren Buffett hat recht und Kurseinbrüche lassen sich auch zukünftig nicht verhindern, könnte eine unglaubliche Abwärtsspirale beginnen. Auch wenn es gerade in den USA sehr populär zu sein scheint, Aktien auf Kredit zu kaufen und generell zu versuchen, mit kreditfinanzierten Geldanlagen einen möglichst hohen Gewinn zu erwirtschaften, so mehren sich die Stimmen, die gegen eine derartige Finanzierung sprechen. Im schlimmsten Fall sähe die Lage so aus:

  • die Börsenstimmung schlägt um
  • die Kurse an der Börse fallen massiv ab
  • Kredite werden fällig gestellt
  • Aktien müssen zwangsweise verkauft werden
  • Kurse fallen weiter

Wie oben bereits erwähnt wurde, ist das Problem Folgendes: Wurden die Aktien eigenfinanziert, sind die Ersparnisse dahin oder zumindest ein Teil davon. Wurde der Kauf jedoch per Kredit bei einer oder bei verschiedenen Banken finanziert, gibt es keine Kursgewinne, aus denen die Kreditraten zu begleichen wären. Vielmehr sind die Aktien mittlerweile wertgemindert und der zu erzielende Verkaufserlös genügt bei Weitem nicht, den Kredit zurückzuzahlen.

Video: Börse für Anfänger

Wer sich mit dem Gedanken einer Börsen-Investition trägt, sollte zuvor das Geschäft an den Börsen verstehen. Dies beginnt mit den Basics, die in diesem Video erklärt werden.

Einige Experten sehen das anders

Dennoch: Nicht alle Experten sind Warren Buffetts Meinung und gehen vielmehr davon aus, dass die Finanzierung der Aktien per Kredit eine gute Idee sei. Der Eintritt in die Welt der Börse ist so einfach wie nie, die Konditionen für Kredite sind derzeit wahnsinnig günstig. Viele können sich das Spekulieren an der Börse nicht leisten, sind aber fachlich durchaus versiert. Für sie bedeutet die Finanzierung per Kredit eine Chance, mit einem höheren Kapital zu spekulieren.

Bezogen auf das Eigenkapital ergibt sich so ein Hebeleffekt, denn wer sein Kapital durch den Kredit beispielsweise verdoppelt, wird im Erfolgsfall auch einen doppelt so hohen Ertrag erzielen.

Wer gibt Kredit für den Aktienkauf?

Wer seine Aktienspekulationen bei einem der gängigen Online-Broker abwickelt, wird dort sicher bereits Kreditangebote in seinem Account vorgefunden haben. Längst nutzen Banken die Online-Plattformen der Broker für ihr Marketing.

Doch man kann auch bei der eigenen Hausbank nachfragen. Dort lohnt dann auch ein vergleich der Kreditkonditionen. Verschiedene Kreditvermittler, wie z.B. smava, vergeben die Bankredite nicht direkt, sondern treten stets für als Vermittler für verschiedene Banken auf. Wer seinen Wertpapierkredit nicht „gerade jetzt“ braucht, sollte sich ruhig dort informieren und die Angebote der Banken vergleichen. Unter Umständen ist der Gang zur Hausbank final dennoch die beste Entscheidung, denn wenn ein Kurssturz die eigenen Pläne zunichte macht, kann oft gerade mit der Hausbank über die Probleme bei der Rückzahlung gesprochen werden. Oft findet sich dort eine Lösung für das plötzlich aufgetauchte Finanzproblem.

Wertpapierkredite: nur etwas für Newbies?

Nicht immer geht es bei der Frage, ob Aktien auf Kredit gekauft werden sollten, um den Eintritt in den Wertpapierhandel. Auch die Anleger, die ihr bestehendes Portfolio ausbauen wollen, kommen vielfach auf die Idee, durch geliehenes Geld zu Reichtum zu kommen. Dabei ist es ein Leichtes, an einen Kredit zu kommen: Der Antrag wird bei der Bank gestellt, wobei viele Banken schon sehr kleine Kredite (sog. Mikrokredite) vergeben. Diese werden für Summen von 500 oder 1000 Euro gewährt. Der Antrag wird geprüft und teilweise hat der Antragsteller bereits nach weniger als 24 Stunden einen Bescheid. Das Geld wird direkt ausgezahlt und schon am nächsten Tag kann der Gang an die Börse gewagt werden. Ein Raten- oder Sofortkredit ist meist nicht zweckgebunden, der Antragsteller muss gegenüber der Bank keine Rechenschaft darüber ablegen, was er mit dem geliehenen Geld machen möchte. Läuft alles perfekt, wird mit dem Geld aus dem Kredit eine Aktie gekauft, die einen vergleichsweise hohen Gewinn einbringt und mit dem sich die Kreditraten tilgen lassen. Vielleicht bleibt sogar noch Geld übrig.

Video: Warren Buffet und 88 Mrd. Gewinn

Warren Buffett ist eine Legende. Wie er seinen Börsenerfolg erzielte ist für Viele ein Rätsel. Wer über das Bewundern hinauskommen möchte, der sollte sich dieses Video ansehen.

Kredit bei bereits vorhandenem Aktiendepot

Gibt es schon ein Anlagedepot, so muss der Ratenkredit nicht zwingend in Anspruch genommen werden. Möglich ist es auch, das Depot selbst zu beleihen. Gezahlt werden dabei keine Tilgungsraten, sondern nur Zinsen, die alle drei Monate bzw. im vereinbarten Turnus fällig sind. Der Lombardkredit kann in Bezug auf seine Rückzahlung flexibel gestaltet werden, es ist auch möglich, nur Teilbeträge zu tilgen oder den vollen Betrag auf einmal zurückzuzahlen. Wer sich hierüber näher informieren möchte, muss sich an seinen Depotbetreiber wenden, der die jeweiligen Konditionen kennt und nennen kann. Dabei werden meist nur 50 bis 80 Prozent des Depots beleihbar, was selbst bei sehr soliden Aktien der Fall ist. Das Risiko ist bei einem solchen Kredit allerdings sehr hoch. Neu erworbene Aktien können sich als falsche Investition herausstellen, das Geld dafür ist weg. Dazu kommt aber, dass ein Teil des bisher sicheren Anlagedepots ebenfalls investiert wurde und nun verloren ist.

Nichtsdestotrotz gibt es viele Anhänger des Kreditkaufs von Aktien, die hierin sogar eine Möglichkeit sehen, Steuern zu sparen. Das geht aber nur für Unternehmen, denn sie können die für den Kredit zu zahlenden Zinsen als steuerlich abzugsfähige Betriebsausgaben ansetzen. Das heißt, dass sie im Prinzip keine Zinsen zahlen und sich im besten Fall den Gewinn einstreichen können. Dieser erhöht den steuerpflichtigen Gewinn des Unternehmens, die darauf zu zahlenden Steuern sind aber niedriger als der Gewinn selbst. Kursgewinne sind vom Finanzamt begünstigt, in der Regel muss nur die Hälfte des Gewinns versteuert werden.

Tipps für Anleger: Aktien bitte nicht per Darlehen finanzieren!

Gerade Neulinge sollten auf die Meinung der Experten hören und besser die Finger von einer Aktienfinanzierung per Darlehen lassen. Das Risiko ist einfach zu groß, und wenn selbst erfahrene Investoren davon abraten, sollte jeder Anleger hellhörig werden. Geliehenes Geld ist nicht für Spekulationsgeschäfte geeignet! Dennoch ist die Verlockung natürlich groß, denn in der Vergangenheit haben zahlreiche Aktien wie die von Sartorius oder Amazon wahnsinnige Höhenflüge erlebt. Wurden hier Investitionen per Kredit getätigt, kräht später kein Hahn mehr danach. Allerdings hat auch Facebook überdeutlich gezeigt, welches unglaubliche Auf und Ab beim Aktienhandel vorkommen kann. Die Aktien haben Traumkurse erlebt, sind aber durch die Skandale rund um den Datenschutz so stark gefallen, dass sie beinahe gänzlich unattraktiv wurden. Die Ausmaße, die solche Kurseinbrüche annehmen können, sind unglaublich. Was aber noch viel schlimmer ist, ist die fehlende Abschätzbarkeit. Niemand weiß, wo der Weg der Wertpapierkurse hingegen und wie ein Kurs wirklich verlaufen wird. Daher: Viele Kenner raten eher ab und empfehlen Anlegern, nicht per Kredit auf Aktienkauf zu gehen. Zusätzlich gibt es diese Tipps:

  • Wertpapiere immer sicher finanzieren (aus Ersparnissen)
  • nur Risiko eingehen, wenn ein eventueller Verlust nicht zu sehr schmerzt
  • vorab überlegen, was im schlimmsten Fall passieren kann – ließe sich ein Verlust verschmerzen?
  • Wertpapiere auf Talfahrt sind nicht automatisch auch Schnäppchen
  • auch die Kosten für das Darlehen bedenken. Das schlägt vor allem dann zu Buche, wenn das Darlehen über einen sehr langen Zeitraum bedient werden muss

Wie hat Warren Buffett seinen Erfolg erzielt?

Warren Buffett gilt als einer der reichsten Männer der Welt und das hat er auch seinem eisernen Willen und dem Gespür für gute Investitionen zu verdanken. Und dem Fakt, dass er nie ein zu hohes Risiko eingeht! Diese fünf Aktien sind die für ihn wertvollsten:

  • Apple
    Apple gilt derzeit als das zweiterfolgreichste Unternehmen der Welt (nach Microsoft), die Gewinne und Umsätze wachsen beständig. Berkshire Hathaway ist mit rund 60 Mrd. Dollar über 249,6 Millionen Aktien an Apple beteiligt.
  • Bank of America
    Die Aktien, die Warren Buffett hält, haben einen Wert von 29,4 Mrd. Dollar, insgesamt sind es 947,7 Millionen Aktien, die Berkshire Hathaway hält.
  • Coca Cola
    Bis zum Jahr 2012 war der Konzern der wertvollste, den es bisher gab. Nun ist Coca-Cola unter die ersten fünf erfolgreichsten Unternehmen der Welt gerutscht. Buffetts Firma stört das nicht, sie hält immer noch rund 400 Mio. Aktien, die einen Wert von ca. 21,6 Mrd. Dollar besitzen.
  • Wells Fargo
    Wells Fargo ist ein Finanzdienstleister und die zweitwertvollste Bank der Welt. Berkshire Hathaway ist hier größter Anteilseigner und hält 20,6 Mrd. Dollar in 409,8 Millionen Aktien.
  • American Express
    American Express ist einer der bekanntesten und der größten Finanzdienstleister der Welt bzw. ist sogar zum größten Finanzdienstleister aufgestiegen. Buffetts Unternehmen hält 151,6 Mio. Aktien, die insgesamt einen Wert von ca. 17,9 Mrd. Dollar besitzen.

Fazit

Angesichts der Summen, die Berkshire Hathaway an den größten Unternehmen der Welt hält, sollten Kleinanleger auf die Tipps von Warren Buffett hören und diesen vertrauen. So erfolgreich wie er wird niemand, der nur pokert und die Folgen seines Tuns nicht abschätzen kann!

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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