Osteuropa Fonds: Empfehlungen für mutige Anleger

Wer in Osteuropa-Fonds investiert, geht gewisse Risiken ein. Doch es können auch attraktive Renditen winken. Trotz fragwürdiger Regierungen, ist die Region für Anleger nach wie vor spannend. Unsere Empfehlungen für mutige Investoren.

Osteuropa: Aktuelle politische Lage

Wer gegenwärtig in Osteuropa in Fonds investieren möchte, braucht in erster Linie eines: Mut. Grund dafür ist die – aus deutscher, oder vielmehr demokratischer Sicht – schwierige politische Lage in einigen Ländern Osteuropas. Die Zahl der populistischen Regierungschefs östlich des Elbufers steigt kontinuierlich an. Ob Ministerpräsidentin Beata Szydło in Polen, Viktor Orbán in Ungarn oder der neue, umstrittene Regierungschef Tschechiens, der Multi-Milliardär Andrej Babiš.

Die Politiker, die vor allem aufgrund populistischer Aussagen und migrations-feindlicher, stattdessen aber rechtsnationaler Tendenzen für negative Schlagzeilen sorgen, destabilisieren die politische Lage. In den jeweiligen Staaten steigt der Unmut. Es erwächst Protest aus der Bevölkerung und in den anderen politischen Lagern – mit Auswirkungen auf die Anlagebereitschaft vieler Investoren. Denn für so manchen Sparer ist Osteuropa aktuell ein zu heißes Eisen. Zu unsicher, um in Aktien zu investieren.

Wer in Osteuropa-Fonds eine Investition für die Zukunft sieht, muss wissen: Osteuropa ist nicht gleich Osteuropa. (#01)

Wer in Osteuropa-Fonds eine Investition für die Zukunft sieht, muss wissen: Osteuropa ist nicht gleich Osteuropa. (#01)

Osteuropa Fonds: Relevante Staaten für Anleger

Wer in Osteuropa-Fonds eine Investition für die Zukunft sieht, muss wissen: Osteuropa ist nicht gleich Osteuropa. In vielen ost- und südosteuropäischen Ländern, sind die jeweiligen Aktienmärkte schlicht zu klein und damit zu unbedeutend, um für den Leitindex relevant zu sein.

Der wichtigste Aktienindex für Osteuropa ist der MSCI Emerging Markets Europe. Legt man diesen zugrunde, kommen für Anleger eigentlich nur sechs Länder in Frage: Russland, Polen, Tschechien, Ungarn, die Türkei und Griechenland. Den größten Einfluss auf den Index hat das Riesenreich Russland, das rund die Hälfte zum Kursbarometer beisteuert. Auf Aktien aus Polen und der Türkei entfallen je ein Fünftel. Griechische, ungarische und tschechische Aktien teilen sich die restlichen 13 Prozent.

Osteuropa-Fonds: Die CE3

Trotz der politisch teils instabilen Situation und unterschiedlicher wirtschaftlicher Verhältnisse in den einzelnen Ländern, ist und bleibt Osteuropa eine interessante Anlageregion. Gerade was die drei Staaten betrifft, die sich dem Westen bereits deutlich angenähert haben und auf dem besten Weg zu Industriestaaten sind: Polen, Ungarn und Tschechien. Die sogenannten CE3-Staaten. Die Anlage in Fonds und andere Finanzmarktprodukte dieser Staaten, erscheint vielen Investoren und Spekulanten attraktiv.

Kein Wunder, berichteten doch einige der führenden (Online-)Finanz- und Kapitalmarkt-Medien im Sommer dieses Jahres von gestiegenem Wirtschaftswachstum in allen CE3-Ländern.  Demnach ist in allen drei Staaten das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2017 besser ausgefallen als zuvor von Analysten prognostiziert.

Ein Land im Osten Europas scheint sich in diesem Jahr bisher als regelrechte Goldgrube zu erweisen (#02)

Ein Land im Osten Europas scheint sich in diesem Jahr bisher als regelrechte Goldgrube zu erweisen (#02)

Investition in Fonds: Die Märkte in Polen und Ungarn

Ein Land im Osten Europas scheint sich in diesem Jahr bisher als regelrechte Goldgrube zu erweisen: Polen. Laut einem Bericht auf einem Finanzforum vom September, zählt Polen in diesem Jahr zu den stärksten, attraktivsten Märkten – der Welt. Polnische Aktienfonds profitieren von diesen Zahlen und werden für Sparer damit nur noch interessanter. Etwa um 30 Prozent wuchs der polnische Leitindex seit Beginn des Jahres.

Ein Grund für diese überschwänglichen Prognosen ist die Tatsache, dass der Finanz- und Investmentmarkt grundsätzlich mit einer steigenden Wirtschaft Schritt hält. Wächst die Wirtschaft, steigen auch die Kurse. Nicht viel anders verhält es sich in Tschechien und Ungarn. Finanzen.net berichtet, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) in diesen Ländern ein fast vergleichbares Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) erwartet wie für Polen. In Tschechien soll es um 2,8 Prozent steigen, in Ungarn um 2,9 Prozent. Für Polen rechnet der IWF in diesem Jahr mit einem Gesamt-BIP-Plus von fast 3,5 Prozent. Das treibt Fonds-Managern und Anlegern die Dollarzeichen in die Augen. Anders jedoch die Lage in Russland.

Die Lage in Russland

Der russische Leitindex RTS gilt im aktuellen Jahr als einer der schwächsten Märkte überhaupt. Dabei ist die russische Wirtschaft gerade wieder dabei, sich zu erholen. In den letzten Jahren stand es um das russische BIP und den RTS nämlich noch schlechter. Da waren Anleger meilenweit entfernt davon, in russische Aktienfonds zu investieren. Die Gründe: Wirtschaftssanktionen der EU und ein stetiger sinkender Ölpreis sorgten für Stragnation. 2015 und 2016 schrumpfte schrumpfte die Wirtschaft dann auch merklich. Für dieses Jahr sagt der IWF immerhin ein um 1,4 Prozent steigendes BIP voraus. Ob Russland in den kommenden Jahren für Fonds-Manager aber ebenso attraktiv wie etwa der polnische Aktienmarkt wird, bleibt abzuwarten.

Sicher ist: der Ausgang der letzten Wahlen in den Vereinigten Staaten hatte einen maßgeblichen Einfluss auf die Erholung der Märkte. Die Hoffnungen auf eine stabilere Wirtschaft und ein langfristiges Ende der Sanktionen wurden nach Trumps Wahlsieg Ende 2016, genährt. Davon profitierte letztlich auch der russische Aktienmarkt.

ür Anleger immer relevant: Profitable Aktienfonds in Russland sowie den CI3-Ländern, die man stets im Auge behalten sollte. (#04)

ür Anleger immer relevant: Profitable Aktienfonds in Russland sowie den CI3-Ländern, die man stets im Auge behalten sollte. (#04)

Fonds-Empfehlungen für mutige Anleger

Insgesamt ist der Aktienindex für Europa, der MSCI Eastern Europe, recht gut bewertet. Vor allem wenn man bedenkt, dass er auch die Märkte einiger Schwellenländer mit schwachem Wirtschaftswachstum, abbildet. Für Anleger immer relevant: Profitable Aktienfonds in Russland sowie den CI3-Ländern, die man stets im Auge behalten sollte. Das Fachportal „Das Investment“ veröffentlichte im Februar dieses Jahres einen Test von 33 Osteuropa-Aktienfonds im Crashtest.

Die Spitzenplätze im Test belegen der:

  • SEB Eastern Europe Small Cap Fund und
  • Schroder Emerging Europe

Im Vergleich zum Test im Jahr davor, tauschten die beiden Aktienfonds die Plätze. Sie gelten als die aktuell empfehlenswertesten Fonds aus Osteuropa, mit guten Werten bei der Wertentwicklung bzw. Performance, dem Stresstest und Rating. Im Test lagen sie mit insgesamt 248 bzw. 240 Punkten mit deutlichem Abstand vor den konkurrierenden Aktienfonds. Der SEB Eastern Europe Small Cap Fund investiert in osteuropäische Aktien mit dem Schwerpunkt auf eher kleinere, bis maximal mittelständische Unternehmen.

Der Anteilwert der Fonds kann zum Teil schwanken, weshalb er nur risikofreudigen Anlegern empfohlen wird. Wer in den Schroder Emerging Europe investiert, der legt sein Kapital indirekt vor allem in Aktien mittel- und osteuropäischer Unternehmen sowie den Märkten der früheren Sowjetunion, an.

Türkische Aktien mindern Fonds-Wert

Auf Platz drei im Crashtest landete der Aberdeen Eastern European Equity Fund, der vom globalen Schwellenländerteam um Devan Kaloo (Aberdeen Asset Management) gemanagt wird. Der Abstand zum zweitplatzierten Fonds war mit 57 Punkten beträchtlich. Hauptgrund: Die große Bedeutung der Türkei als Anlageziel in diesem Aktienfonds. Wären zum Zeitpunkt des Tests weniger türkische Aktien im Fonds enthalten gewesen, hätte der Aberdeen Eastern European Equity Fund einen wesentlich besseren Performance-Wert erzielt.

Doch sorgten die instabilen politischen Verhältnisse am Bosporus sowie die immer neuen Skandale um den diktatorischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan dafür, dass mehr und mehr Anleger ihr Geld abzogen. Die Konsequenz: Eine beträchtliche Belastung des Aktienmarkts in Form sinkender Kurse. Wirtschaftlich aber steht die Türkei aktuell – trotz aller Konflikte mit Europa und Deutschland – laut dem Manager-Magazin vom September, sehr gut da. Hält der Aufschwung weiter an und kehrt politisch wider erwarten doch noch etwas Ruhe ein, profitieren auch viele Osteuropa-Fonds. Denn in vielen Osteuropa-Fonds ist die Türkei nach Russland das am höchsten gewichtete Land.

Wären zum Zeitpunkt des Tests weniger türkische Aktien im Fonds enthalten gewesen, hätte der Aberdeen Eastern European Equity Fund einen wesentlich besseren Performance-Wert erzielt.

Wären zum Zeitpunkt des Tests weniger türkische Aktien im Fonds enthalten gewesen, hätte der Aberdeen Eastern European Equity Fund einen wesentlich besseren Performance-Wert erzielt. (#03)

Osteuropa-Fonds: Geheimtipp Rumänien

Ein Markt in Europa, den (nicht zuletzt deutsche) Anleger künftig auf jeden Fall im Auge behalten sollten, ist Rumänien. Für eine positive Entwicklung auf dem dortigen Aktienmarkt sorgten in den letzten gut zwei Jahren unterschiedliche Faktoren. Ein entscheidender: Ein beim Volk beliebter Sozialdemokrat mit deutschen Wurzeln, Klaus Johannis, gewann 2015 die Präsidentschaftswahl.

Derselbe Effekt wie in den USA ein Jahr später: prognostizieren Analysten eine politische Wende – oder zumindest Entspannung – im Land und eine sich erholende Wirtschaft, reagiert der Aktienmarkt unmittelbar darauf: Mit steigenden Kursen.


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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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