Valios Jahr 2020: China beschleunigte das Exportwachstum, das Wachstum der Einzelhandelsumsätze in Finnland gleicht die Auswirkungen von Corona aus

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Der Nettoumsatz der Valio Group lag im Jahr 2020 bei 1.808 Mio. Euro (2019: 1.787 Mio. Euro) und damit um 1,2 Prozent über dem Vorjahr. Der Inlandsumsatz sank um 0,9 Prozent, der Auslandsumsatz stieg um 4,3 Prozent. Die Coronavirus-Pandemie wirkte sich auf den Inlandskonsum aus und war im Wachstum der Einzelhandelsumsätze und dem Rückgang der HoReCa-Umsätze sichtbar. In dem herausfordernden Jahr konnte Valio jedoch die Milchrendite* leicht verbessern.
Die Coronavirus-Pandemie beeinträchtigte das Geschäft in allen Märkten. Die Menschen blieben zu Hause und kochten für sich selbst, was den Einzelhandelsumsatz ankurbelte. Der Verzehr in Restaurants und Mitarbeiterkantinen ging zurück, so dass die Umsätze im Bereich Hotel, Restaurant und Catering (HoReCa) sanken.

Einzelhandelsumsätze von valio wuchsen in Finnland

„Trotz der Coronavirus-Pandemie verzeichnete Valio ein gutes finanzielles Ergebnis, und der Milchrücklauf ist weiter gewachsen. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir trotz des herausfordernden Jahres die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiter sichern konnten und eine normale Produktion sowie eine hervorragende Lieferzuverlässigkeit aufrechterhalten konnten. Eine unserer Stärken ist die flexible Produktionskapazität, so dass wir die Produktion schnell von großen Verpackungsgrößen für die Gastronomie auf Konsumentenverpackungen umstellen konnten. Außerdem ist die Nachfrage in unseren Exportmärkten trotz der Pandemie gestiegen“, sagt Valios CEO Annikka Hurme.

Die Auswirkungen der Pandemie waren deutlich im heimischen Konsum zu spüren, der sich vom Essen in Restaurants auf das Kochen zu Hause verlagerte. Die Kaufkraft der Verbraucher schwächte sich im Zuge der Coronavirus-Pandemie ab, so dass wir mehr Artikel unter der Marke Valio Hyvä suomalainen Arki® einführten.

Auch der Markt für Produkte auf pflanzlicher Basis wuchs weiter. Valio Oddlygood® Barista wurde zu einem Favoriten bei den Verbrauchern in Finnland. Im Laufe des Jahres führte Valio Valio Oddlygood® Veggie gerieben ein, das wie Käse verwendet wird.

China beschleunigte das internationale Umsatzwachstum

Der Nettoumsatz aus dem internationalen Geschäft belief sich auf 746 Millionen Euro (715 Millionen Euro). Am stärksten war das Wachstum in China, wo sich die Nachfrage nach dem Coronavirus-Schock Anfang 2020 schnell erholte und der Umsatz um mehr als 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr stieg.

„Trotz des Wachstums ist Valio ein kleiner Akteur in China. Unsere wichtigste Aufgabe ist es, die Profitabilität des Exports weiter zu verbessern und den Bekanntheitsgrad unserer Produkte und unserer Marke zu steigern“, sagt Hurme.

Das Umsatzwachstum in den nahe gelegenen Märkten Schweden, Estland und Russland war moderat. In den USA verursachte die Pandemie starke Preisschwankungen, die die finanzielle Leistung schwächten, aber der Nettoumsatz blieb auf einem vernünftigen Niveau. Nach einem Einbruch zu Beginn des Jahres begann der Weltmarktpreis für Milchpulver gegen Ende des Jahres zu steigen.

Valio schüttet seinen gesamten Gewinn an seine Eigentümer aus

Valio ist im Besitz von 4.300 finnischen Milcherzeugern, und Valio zahlt seinen Betriebsgewinn über die Genossenschaften an die Milchviehbetriebe aus. Der finanzielle Erfolg von Valio wird mit einer Milchmarge* und einer Milchrendite** gemessen. Die Milchmarge belief sich auf 861 Mio. EUR (838 Mio. EUR) und die Milchrendite auf 41,5 Cent pro Liter (41,2 c/l).

Der Vorstand von Valio, der sich aus Milcherzeugern zusammensetzt, legt den Rohmilchpreis auf der Grundlage der Marktsituation und der finanziellen Lage von Valio fest. Im Jahr 2020 lag der Durchschnittspreis, den Valio für Milch bezahlte, bei 40,9 Cent pro Liter (39,9 c/l). In diesem Preis sind Nachzahlungen von 1,5 Cent pro Liter enthalten, die an die Genossenschaften gezahlt werden. Der Nachhaltigkeitsbonus zur Förderung der kontinuierlichen Verbesserung des Tierwohls blieb bei zwei Cent pro Liter. Während der gesamten 2000er Jahre war Valio in der Lage, den finnischen Milcherzeugern einen höheren Preis für die Milch zu zahlen als der europäische Durchschnitt.

Valio hat seine Strategie aktualisiert

Die Strategie von Valio wurde im Jahr 2020 aktualisiert. Im operativen Geschäft wird sich Valio auf vier Bereiche konzentrieren, um zukünftiges Wachstum zu verfolgen.

„Das Geschäft mit Milch auf dem heimischen Markt ist nach wie vor der stärkste Bereich, den wir weiter ausbauen werden. Rohstoffe und Lösungen, die vor allem für unsere Industriekunden einen Mehrwert generieren, sind ein wichtiger neuer Schwerpunkt, wobei wir weltweit Wachstum anstreben, zum Beispiel in Asien. Wachstumspotenzial sehen wir auch bei pflanzlichen Produkten, wo wir unser Angebot weiter ausbauen und auch auf Exportmärkte schauen. Darüber hinaus evaluieren wir kontinuierlich verschiedene neue Geschäftsmöglichkeiten und neue Partnerschaften“, so Annikka Hurme.

Valio ist Teil der Lösung für den Klimawandel

Valio hat die ehrgeizige Klimaarbeit im Jahr 2020 fortgesetzt. Das Ziel ist es, den Kohlenstoff-Fußabdruck der gesamten Milchkette – vom Bauernhof bis zum Lebensmittelladen – bis 2035 auf Null zu reduzieren. Valio hat im Jahr 2020 wissenschaftsbasierte Klimaziele festgelegt. Den Zielen zufolge sollen die Treibhausgasemissionen aus der Milchproduktion pro Liter aufgenommener Rohmilch bis 2030 im Vergleich zu 2019 halbiert werden.

Valio setzte die Schulung von Milchbauern im Bereich Carbon Farming fort. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie investierte Valio in eine elektronische Lernplattform in Zusammenarbeit mit der Umweltstiftung Baltic Sea Action Group. Die Plattform ging Anfang 2021 in Betrieb. Im Oktober führte Valio einen Umweltrechner für alle Valio-Milchviehbetriebe ein, mit dem sie den Kohlenstoff-Fußabdruck der auf ihrem Betrieb produzierten Milch berechnen können. Valio initiierte auch Schulungen zur Nutzung des Rechners.

Valio setzte seine Studien zur Verwendung von Rinderdung in der Biogasproduktion fort, um die Auswirkungen auf das Klima zu reduzieren. Der erste Milchtransporter, der das auf einem Bauernhof produzierte Biogas nutzt, begann Anfang 2021 mit der Milchsammlung.

Ende 2020 wurde auf dem Milchviehbetrieb Vuorenmaa in Haapavesi eine Biogastankstelle eröffnet, an der Fahrzeuge mit Biogas aus Kuhmist betankt werden können. Es reicht aus, um den Milchwagen sowie andere gasbetriebene Fahrzeuge zu versorgen, und kann an einer normalen Zapfsäule gekauft werden. Biogas wird in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Reduzierung von Transportemissionen spielen, da es fossile Kraftstoffe, also Diesel und Benzin, ersetzen wird. Gleichzeitig wird der Kohlenstoff-Fußabdruck des Milchviehbetriebs deutlich verringert.

Valio hat zusammen mit dem Natural Resources Institute Finland ein dreijähriges Projekt gestartet, das sich auf die Untersuchung von Anbaumethoden konzentriert, die die Emissionen aus Torfgebieten reduzieren. Darüber hinaus wurden auf vier Valio-Milchviehbetrieben zehn Messkammern installiert, um die Kohlenstoffbilanz des Bodens zu messen.

Ab Anfang 2021 erfüllen alle 4.300 Milchviehbetriebe die Nachhaltigkeitskriterien von Valio für das Tierwohl und erhalten dafür einen Nachhaltigkeitsbonus. Zu den Anforderungen gehören z. B. eine präventive Gesundheitsvorsorge für die Kühe und eine systematische Überwachung ihres Wohlbefindens.

Effizienzsteigerung im Jahr 2020 fortgesetzt

Die Ziele von Valio im Jahr 2020 waren die Steigerung des Nettoumsatzes und die Verbesserung der Profitabilität. Das 2018 eingeführte Dreijahresprogramm zur Verbesserung der Kosteneffizienz, Rentabilität und Wettbewerbsfähigkeit kam gut voran und wird bis Ende 2021 fortgesetzt. Die Coronavirus-Pandemie erhöhte die Kosten, und einige Projektimplementierungen mussten verschoben werden. Die Pandemie hatte auch zur Folge, dass einige Arbeitsplätze vorübergehend wegfielen, und wir führten im Frühjahr 2020 Kooperationsverhandlungen, die zu Entlassungen in den Funktionen der Hauptverwaltung führten.

Kontraktproduktion sichert zukünftige Milchproduktion

Valio und die Milchbeschaffungsgenossenschaften haben Anfang 2021 auf Vertragsproduktion umgestellt. Vertragsproduktion bedeutet, dass die Milchbeschaffungsgenossenschaften eine vorher vereinbarte Menge an Rohmilch an Valio liefern. Ziel ist es, die Zukunft der Milchviehbetriebe mittel- und langfristig zu sichern und den Rohmilchpreis für die Genossenschaften und damit für die Milchviehhalter zu maximieren. Eine bessere Vorhersagbarkeit der Gesamtmilchmenge ist notwendig, damit Valio seine Produktionskapazität an die Marktnachfrage anpassen kann.

Die Auftragsproduktion sichert die ausreichende Kapazität zur Herstellung von Pulver, und im Jahr 2020 stieg der Absatz von Mehrwertpulvern um 10 Prozent. Die Verwendung von Mehrwertpulvern ermöglicht es beispielsweise einem Schokoladenhersteller, den Zuckergehalt eines Produkts zu reduzieren, ohne den Geschmack zu verändern, oder die Pulver bieten einen anderen Vorteil für die Kunden. In Finnland wurde eine neue Verpackungsanlage für Verbraucherpulver in Lapinlahti gebaut, und die Produktionskapazität des Pulvertrockenturms in Seinäjoki wurde erhöht. Diese Investitionen bereiten Valio darauf vor, seine Exporte von Pulvern mit Mehrwert zu steigern.

Ausblick auf das Jahr 2021

Die erste Hälfte des Jahres 2021 begann mit einer Fortsetzung der Coronavirus-Pandemie. Die Gesundheit der Mitarbeiter und Milchbauern zu schützen und die Produktion aufrechtzuerhalten, bleibt unsere Priorität.

Im Einklang mit den strategischen Schwerpunktbereichen wird Valio auch 2021 in neues Wachstum, betriebliche Effizienz und verbesserte Rentabilität investieren. Aufgrund der Vertragsproduktion gab es seit Jahresbeginn einen moderaten Rückgang der Rohmilchmengen. Die Coronavirus-Pandemie erschwert weiterhin den Betrieb für Kunden in der Gastronomie, Hotellerie und Großküche. Auf der anderen Seite ist die Nachfrage im Einzelhandel auf einem guten Niveau. Die Marktsituation für Butter- und Milchpulver scheint weltweit positiv zu sein, und wir sehen Wachstumspotenzial vor allem im Geschäft mit hochwertigen Pulvern, zum Beispiel in China und anderen asiatischen Ländern.

„Eine Schlüsselfrage in Bezug auf den Export von Produkten sowie den Import von Zutaten und Lieferungen ist, ob die internationalen Grenzen offen bleiben werden. Valios Stärke ist, dass die Milch, die wichtigste Zutat unserer in Finnland hergestellten Produkte, vor Ort, in den Milchviehbetrieben der Valio-Eigentümer, produziert wird. Die Produkte werden in 12 Werken hergestellt, was zur Versorgungssicherheit beiträgt. Valio spielt in Finnland auch bei der Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit eine wichtige Rolle, und in all unseren Betrieben sind wir bestrebt, Kunden und Verbraucher bestmöglich zu bedienen“, bemerkt Annikka Hurme.

Über den Autor

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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