Studie von Union Investment: Bayern sparen anders als Hamburger oder Thüringer

Die Deutschen gelten als Volk von engagierten Sparern. Trotz niedriger Zinsen legt jeder zweite Deutsche monatlich Geld zurück. Aber wie eine jüngst veröffentlichte Studie zeigt, gibt es auch beim Sparen mehr oder weniger große landsmannschaftliche Unterschiede. Im Auftrag des Finanzdienstleisters Union Investment führte das Marktforschungsinstitut Elbe 19 aus Hamburg eine repräsentative Umfrage unter mehr als 8 000 Sparern über 16 Jahren durch. Elbe 19 erhob die Daten im ersten Quartal 2016; die Union Investment Group hat die Ergebnisse nun der Öffentlichkeit vorgestellt.

UIG-Studie: Der Süden Deutschlands spart anders als der Norden

Diese Landkarte des Sparens in Deutschland zeigt große Unterschiede im Sparverhalten auf. Großes Engagement zeigen, wenig überraschend Deutsche aus dem Süden und Südwesten der Republik. So gaben sechs von zehn Befragten in Bayern an, mehr als 10 000 Euro an Erspartem zu besitzen. Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen erreichten ähnlich hohe Werte. Dagegen liegt die Hauptstadt Berlin bei der Zahl der Nichtsparer vorn: Hier sparen nur 39, 6 Prozent der Befragten monatlich. Und mit 15,3 Prozent die überhaupt nichts sparen, liegen wiederum die Berliner vorne. Dagegen liegt der bundesweite Durchschnitt bei den Nichtsparern bei 10, 4 Prozent. Am niedrigsten ist die Nichtsparerquote in Mecklenburg-Vorpommern; dort liegt sie bei 7,4 Prozent.

Infografik: Anteil der Sparer nach Bundesländern - Quelle und (c) : Union Investment Group

Infografik: Anteil der Sparer nach Bundesländern – Quelle und (c) : Union Investment Group

Dagegen legen in Niedersachsen und Bremen 55, 7 Prozent der Befragten monatlich Geld auf die hohe Kante; im Bundesdurchschnitt tun das immerhin 52 Prozent. „Man sieht, dass regelmäßiges Sparen nichts mit dem Einkommen oder dem vorhandenen Vermögen zu tun hat. Gerade in einigen finanzschwächeren Bundesländern sparen die Menschen sehr engagiert“, sagt Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment.

Infografik: Notgroschen als Sparmotiv - Quelle und (c) : Union Investment Group

Infografik: Notgroschen als Sparmotiv – Quelle und (c) : Union Investment Group

Regionale Vielfalt der Sparmotive

Dabei variieren die Motive für das Sparen nicht nur nach Region, sondern auch nach der Lebenseinstellung. 79, 7 Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt sparen, um ihren Lebensstandard zu verbessern, in Bayern dagegen nur 70 Prozent. In Niedersachsen und Bremen sparen 73, 5 Prozent der Befragten, um einen Notgroschen zu haben, während das in Hamburg und Berlin nur 61, 3 Prozent bzw. 62, 4 Prozent tun. Das mag daran liegen, dass in diesen Regionen auf der einen Seite viele Menschen leben, die wohlhabend genug sind, um nicht auf den Pfennig achten zu müssen, während auf der anderen Seite auch viele Menschen nur gerade so eben über den Monat kommen oder gar von staatlichen Transferleistungen leben. Die Schwaben dagegen bedienen ihr eigenes Klischee: Immerhin 24, 1 Prozent der in Baden-Württemberg Befragten spart auf eine eigene Immobilie, so viel wie in sonst keinem anderen Bundesland. Der Hamburger Sparer scheint dort schon angekommen zu sein und auch sonst alles zu haben, denn in der Hansestadt sparen rund 40 Prozent der Befragten für Reisen und Konsumgüter.

Infografik: Besitz von Spareinlagen - Quelle und (c) : Union Investment Group

Infografik: Besitz von Spareinlagen – Quelle und (c) : Union Investment Group

Schwaben schwören auf das Sparbuch

Auch die gewählten Produkte unterscheiden sich. Fast zwei Drittel der Sparer im Musterländle Baden-Württemberg schwören auf das Sparbuch. Das spielt dagegen in den ostdeutschen Bundesländern und Berlin keine große Rolle; so besitzen dort gerade mal 36,5 Prozent der Befragten eins. Vor allem in Hessen ist ein Tagesgeldkonto populär, während die Bayern ihr Geld lieber in Fonds und Wertpapieren anlegen. Die meisten Besitzer von Fondssparplänen leben dagegen in Schleswig-Holstein. Dagegen sind vermögenswirksame Leistungen vergleichsweise wenig populär, die bundesweit nur jeder vierte nutzt. Insgesamt legen laut der Studie die Deutschen viel Wert auf einen zeitnahe verfügbaren Notgroschen und entscheiden sich seltener für langfristig angelegte Sparformen. Einig sind sich dagegen viele beim Sparen fürs Alter: 50, 5 Prozent der Befragten kümmern sich so um ihre Altersvorsorge.


Bildnachweis: © shutterstock – Titelbild tichr, Union Investment Group – Infografiken

Über Friedrich List

Friedrich List

Mein Beruf ist das Schreiben; ich arbeite als freier Journalist, Texter und Buchautor. Das reicht für Leben und Modellbau, also auch für das eigentliche Leben. Beruflich wie als Modellbauer interessiert mich die Luftfahrt, speziell die der großen Luftfahrtländer. Ich baue auch gerne mal etwas, das aus dem Rahmen fällt. Hauptantriebskräfte: Neugier, Kaffee und ein guter Witz.

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