Schweizer Geldanlage: Geld im Finanzparadies anzulegen ist schwieriger geworden

Die Schweizer Geldanlage (Geld der Familie ist hier gemeint) ist seit Generationen der Inbegriff der sicheren Geldanlage. Schweizer Banken und Produkte sind solider als die ägyptischen Pyramiden. Aber ist das heute immer noch so? Obwohl das Bankgeheimnis noch gilt, bleiben vor allem kleinere Anleger heute außen vor.

Geld in der Schweiz anzulegen ist für Ausländer nicht mehr die erste Wahl

Die Sicherheit, ein Bankkonto bei einer Schweizer Privatbank zu haben, war bis vor ein paar Jahren gleichbedeutend mit völliger Immunität in Sachen Geldgeschäfte. Keine ausländischen Steuerbehörden oder andere Institutionen bekamen Zugriff auf die Daten der Schweizer Bankkunden. Das Bankgeheimnis war einfach heilig. Das gilt in gewisser Weise immer noch und tatsächlich melden die Banken in der Schweiz keine Geldanlage automatisch an eine ausländische Steuerbehörde.

Doch im Gegensatz zu früher erteilen sie durchaus Auskunft, wenn sie entsprechende Anfragen aus dem Ausland erhalten. Unversteuertes Geld in der Schweiz als Geldanlage zu parken, ist also ebenso illegal wie früher – und wird immer häufiger von den deutschen Finanzbehörden verfolgt. Aber natürlich gibt es dennoch viele Produkte, die eine Schweizer Geldanlage völlig legal ermöglichen und interessant machen. Die Anforderungen für die Sicherheit entsprechen in vielen Fällen (aber nicht allen!) den europäischen Standards für Einlagensicherung.

Man muss sich allerdings darüber im Klaren sein, dass der Schutz für Anleger, der in der EU besteht, für Kunden von Schweizer Banken nicht automatisch gilt. Das alte Finanzparadies hat also durchaus einige Schrammen bekommen – bleibt aber in Sachen Festgeld und Zinsen oft die bessere Wahl im Vergleich zu den von Niedrigzinsen geprägten EU- und US-Anlageprodukten.

Trotzdem ist die Gesamtsumme der Kundeneinlagen bei Schweizer Banken und Versicherungen mit 1788,1 Milliarden Franken beträchtlich (davon Inland: 1193,4 Milliarden Franken). Insgesamt buhlen 253 Bankinstitute um die Gunst inländischer und ausländischer Kunden und konnten eine Bilanzsumme von 3249,4 Milliarden Franken vorweisen (alle Zahlen Stand von 2017).

Video: Ist Geld in der Schweiz und im Franken wirklich sicher?

Nachhaltige Produkte werden bei der Geldanlage auch in der Schweiz beliebter

Viele Anleger versprechen sich nicht nur höhere Zinsen, sondern möchten ihr Festgeld in sichere Produkte investieren, die den Regeln der Nachhaltigkeit entsprechen. Darunter versteht man Produkte, die neben den finanziellen Anforderungen auch ökologische, gesellschaftliche und ethische Belange berücksichtigen. Insgesamt belief sich das Volumen nachhaltiger Investmentfonds für Schweizer Geldanlagen im Jahr 2017 auf insgesamt 108,6 Milliarden Franken (inklusive Mandate).

Erreicht werden die Maßgaben für Nachhaltigkeit vor allem durch die sogenannten Ausschlüsse. Dabei werden bestimmte Investmentformen, Branchen oder einzelne Unternehmen systematisch ausgeschlossen. Auch ganze Länder können unter diese Regeln fallen, sofern sie die strengen Nachhaltigkeitskriterien nicht erfüllen.

Typische Ausschlusskriterien für die nachhaltige Geldanlage bei Schweizer Instituten sind:

  • Waffen
  • Rüstungsindustrie allgemein
  • Nuklearenergie
  • Verletzungen von arbeitsrechtlichen Standards

Als nachhaltig bezeichnet man eine Geldanlage dann, wenn das Geld nicht nach den Regeln der Gewinnmaximierung investiert, sondern zur Finanzierung ökologischer, ethischer und sozialer Projekte eingesetzt wird. Somit wird der Beigeschmack, der bei einer Geldanlage in der Schweiz eigentlich immer irgendwie mitschwingt, deutlich reduziert. Assoziationen mit dunklen Geschäften der Mafia, von Diktaturen oder unethisch handelnden Großkonzernen haben dem Image der Schweizer Banken in den letzten Jahren geschadet.

Institute wie die Alternative Bank Schweiz möchten diesem Trend entkommen und aus dem ehemaligen Finanzparadies ein Anlageparadies der Nachhaltigkeit machen. Ein Bankkonto bei dieser und ähnlichen Banken mag nicht so hohe Zinsen bringen wie andernorts, ist dabei aber mit einem guten Gewissen verbunden. Dass Geld nicht stinkt, glauben nämlich auch in der Schweiz immer weniger Anleger.

Video: Geldanlage Schweiz! 13 Fragen der Schweizer Bank, die Sie wissen müssen (2018)

Wie kann man als Ausländer sein Geld legal auf ein Schweizer Bankkonto bringen?

Die Zeiten in denen man im Finanzparadies Schweiz ohne Probleme und ohne persönliche Identifizierung ein Bankkonto eröffnen konnte, sind bei vielen Instituten vorbei. Zu groß ist der Ärger wegen unversteuertem Geld mit ausländischen Steuerbehörden.

Trotzdem ist es gerade für Deutsche nach wie vor möglich, im Nachbarland ein Bankkonto zu eröffnen. Ohne Konto ist der Zugang für viele Produkte nicht ohne Weiteres möglich, aber die Anforderungen variieren je nach Bank und Anlageprodukt.

Ein Vermögensverwalter kann dabei helfen, die richtige Auswahl zu treffen, doch Finanzexperten raten zur Vorsicht: Gerade die Vermögensverwalter haben mit ihrem sicheren Sitz auf Karibikinseln oft keinen guten Ruf und haben schon so manchen privaten Anleger mit einer steuerlich fragwürdigen Geldanlage in die Bredouille gebracht. Das ist übrigens vor dem Finanzamt keine brauchbare Ausrede, denn der Kunde ist voll für das verantwortlich, was der Vermögensverwalter im Namen des Anlegers tut. Aber gehen wir der Reihe nach vor.

Vom Neukunden, der von Deutschland aus ein Bankkonto bei einem Schweizer Institut eröffnen möchte, wird mittlerweile erwartet, dass das Geld korrekt versteuert wurde und darüber ein Nachweis erbracht wird. Die Postfinance ermöglicht auch Ausländern die relativ unkomplizierte Kontoeröffnung. Dabei handelt es sich um ein Tochterunternehmen der Post. Die Kunden müssen allerdings persönlich in einer Filiale erscheinen und sich identifizieren sowie eine Erklärung unterschreiben, dass das Geld ordentlich im Ursprungsland versteuert wurde.

Ein Schweizer Wohnsitz ist dafür zunächst nicht erforderlich, doch ohne einen solchen stehen deutschen Kunden nur Sparkonten oder einfache Girokonten für den Zahlungsverkehr zur Verfügung. Festgeld oder Wertpapierdepots werden Ausländern ohne Wohnsitz in der Schweiz nicht mehr angeboten.

Da auch in der Eidgenossenschaft die Zinsen für Sparkonten in Franken nur rund 0,5 Prozent jährlich einbringen, ist das trotz kostenloser Kontoführung kaum eine gewinnbringende Option, denn das gleicht nicht einmal die Inflationsrate aus.

Ein Vermögensverwalter kann dabei helfen, die richtige Auswahl zu treffen, doch Finanzexperten raten zur Vorsicht

Ein Vermögensverwalter kann dabei helfen, die richtige Auswahl zu treffen, doch Finanzexperten raten zur Vorsicht.(#01)

Die Geldanlage mit Wertpapierdepot ist für Ausländer in der Schweiz komplizierter geworden

Wer sein Geld als Ausländer in der Schweiz in einem Wertpapierdepot anlegen möchte, muss oft umfangreiche Anforderungen erfüllen. So erwartet die größte Schweizer Bank, die UBS, dass Neukunden aus Deutschland mindestens 25.000 Franken in einem Depot anlegen. Das entspricht immerhin über 20.000 Euro. Bei dieser Mindestsumme muss neben der jährlichen Depotgebühr noch eine sogenannte Crossborder-Gebühr von Ausländern gezahlt werden, die mit rund 30 Franken zu Buche schlägt – und das jeden Monat.

Erst über einer Anlagesumme von über 50.000 Franken sind die Anforderungen geringer und die Gebühr entfällt. Bei diesen „niedrigen“ Investitionssummen erhält der Anleger jedoch keine umfassende Beratung. Andere Banken schlagen noch heftiger zu: So schraubt die Züricher Kantonalbank ihre Anforderungen für Deutsche ohne Wohnsitz noch höher und verlangt eine Mindestinvestition von 100.000 Euro, wobei Bareinzahlungen im größeren Umfang nicht akzeptiert werden.

Der Kunde muss das Geld also überweisen. Trotzdem muss ein Neukunde aus Deutschland zuerst bei der Hauptstelle der Bank in Zürich erscheinen, um sich auszuweisen (nicht etwa in einer beliebigen Filiale wie bei der Postfinance). Manche Bank verlangt hingegen horrende Jahresgebühren von 2000 Franken und mehr, was sich erst für richtig hohe Anlagesummen von über einer halben Million Euro lohnen dürfte. Auch die so begehrten Schließfächer, für die eine Schweizer Privatbank früher der Inbegriff der Sicherheit waren, sind nicht mehr ohne Weiteres zu bekommen.

Jede Privatbank verfügt nur über begrenzten Raum im eigenen Tresor und lässt sich diesen teuer bezahlen. Die Diskretion, die bei jeder Bank der Schweiz geradezu sprichwörtlich ist, hat also ihren Preis. Angesichts der Verfolgung von Steuerdelikten in Deutschland bietet jedoch auch die Privatbank keine hundertprozentige Sicherheit mehr, worüber sich Anleger von vornherein im Klaren sein sollten.

Video: Der Schweizer und sein Geld

Schweizer Aktien sind weiterhin eine gute Geldanlage

Einfacher als mit Festgeld ist es, über Wertpapierfonds in Schweizer Aktien zu investieren, die man auch von Deutschland aus problemlos kaufen kann, ohne sich bei einer Bank teuer einkaufen zu müssen. Tatsächlich setzen viele Fonds und Vermögensverwalter mittlerweile auf Schweizer Werte, um Geld diversifiziert anzulegen. Allerdings ist der Markt in der Eidgenossenschaft nicht von den internationalen Entwicklungen abgekoppelt.

Hustet der Euro, bekommen auch die Schweizer Wertpapiere die Auswirkungen zu spüren. Gleiches gilt für Krisen wie die griechische Staatsschuldenkrise, die auch die schweizerischen Konzerne nicht verschont, die in solchen Ländern investiert haben. Als sehr stabil hat sich jedoch die Wirtschaft der Schweiz insgesamt im Jahrzehnt der Finanzkrise erwiesen. Insbesondere Nestlé ist hier ein Vorzeigewert, der jedoch hinsichtlich der bereits erwähnten Nachhaltigkeit immer seltener tragbar für viele Anleger ist.

Es ist zwar schwieriger für Ausländer geworden, sich mit kleineren Summen überhaupt Zugang zu einem Konto zu verschaffen (und wenn, nur gegen persönliche Identifizierung), aber die Investition in schweizerische Wertpapiere wird von vielen Experten aus Gründen der Diversifizierung dringend empfohlen.

Es ist zwar schwieriger für Ausländer geworden, sich mit kleineren Summen überhaupt Zugang zu einem Konto zu verschaffen (und wenn, nur gegen persönliche Identifizierung), aber die Investition in schweizerische Wertpapiere wird von vielen Experten aus Gründen der Diversifizierung dringend empfohlen.(#02)

Geld zurückholen bei einer Schweizer Geldanlage?

Ob Privatbank oder große Kreditinstitute: In der Schweiz waren versteckte Provisionszahlungen lange Zeit üblich. Diese wurden in Form sogenannter Retrozessionen oder Kickbacks von Fondsgesellschaften an den Vermögensverwalter oder die Privatbank gezahlt. Gerichtsentscheidungen haben mittlerweile geklärt, dass solche Kickback-Zahlungen nicht zulässig sind. Für private Anleger bedeutet das, dass sie sich Geld zurückholen können.

Ärgerlich waren die Kickbacks vor allem für solche Kunden, die ihr Geld aufgrund der geänderten Steuerverfolgungssituation in Deutschland aus der Schweiz zurückholten oder in nunmehr legaler Form auf dem Schweizer Konto beließen, denn die bereits gezahlten Kickbacks konnten sie sich in der Regel nicht zurückholen. Fachleute gehen von Beträgen in Milliardenhöhe aus, die von Schweizer Banken als Kickbacks bzw. Retrozessionen zurückbehalten wurden.

Das Bundesgericht der Schweiz hat bereits 2012 entscheiden, dass diese Kickbacks an die Kunden zurückgezahlt werden müssen. Allerdings haben die Banken und Vermögensverwalter dieses Geld häufig nicht zurückgezahlt und hoffen darauf, dass die Kunden nichts davon wissen und die Verjährungsfristen übersehen.

Diese beträgt zehn Jahre. Wer also 2019 die Rückforderung einreicht, kann sie höchstens bis 2009 rückwirkend geltend machen. Diverse Dienstleister bieten mittlerweile Hilfe bei der Rückforderung an und arbeiten auf Erfolgsbasis – Kosten entstehen also nur, wenn die Kickbacks erfolgreich zurückgefordert werden.

Fazit: Geld in eine Schweizer Geldanlage zu stecken war früher einfacher

Es ist Jammern auf hohem Niveau, wenn beklagt wird, dass man früher sein unversteuertes Geld leichter in der Schweiz anlegen konnte. Es war auch damals schon illegal, der Unterschied liegt darin, dass es heute einfacher für deutsche und andere Steuerbehörden geworden ist, Steuersünder trotz des heiligen Bankgeheimnisses in der Schweiz zu verfolgen. Nach wie vor erteilen die Banken zwar keine automatische Auskunft an ausländische Finanzbehörden, geben Daten aber auf Anfrage staatlicher Stellen durchaus heraus.

Es lohnt sich also nicht mehr, den Fiskus über eine Anlage im Finanzparadies der Schweiz hintergehen zu wollen. Besser ist es, sich auf lohnenswerte Investitionen mit höheren Zinsen zu fokussieren, die es bei der Schweizer Geldanlage nach wie vor gibt.

Es ist zwar schwieriger für Ausländer geworden, sich mit kleineren Summen überhaupt Zugang zu einem Konto zu verschaffen (und wenn, nur gegen persönliche Identifizierung), aber die Investition in schweizerische Wertpapiere wird von vielen Experten aus Gründen der Diversifizierung dringend empfohlen. Die nachhaltige Geldanlage wird dabei für viele Kunden auch in der Eidgenossenschaft immer wichtiger.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: marekusz -#01: Potstock   -#02: bbernard

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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