MCSI World: Der internationale Aktienhandel aufgeschlüsselt

Der MSCI World ist ein internationaler Index für Aktien – er zeigt die Wertentwicklung der Wertpapiere von mehr als 1600 Unternehmen, die wiederum aus über 23 Ländern stammen. Dabei ist MSCI ein Finanzdienstleister aus den USA, der bereits seit 1970 die Wertberechnungen vornimmt. Der World Index ist vor allem aus dem Grund empfehlenswert, weil er über mehrere Unternehmen gestreut ist und verschiedene Branchen in diversen Ländern berücksichtigt.

Welche Unternehmen werden abgebildet?

Durch den MSCI World werden nur die Unternehmen aus solchen Ländern abgebildet, die seitens des Finanzdienstleisters als entwickelte Industrieländer gelten. Dabei konzentriert man sich auf die großen und mittelgroßen Konzerne. Entwicklungs- oder Schwellenländer sind nicht vertreten, daher finden sich zum Beispiel Brasilien oder China nicht auf dem Index. Die Marktkapitalisierung (Börsenwert aller Aktiengesellschaften eines Landes) wird durch den MSCI zu etwa 85 Prozent abgedeckt. Für das Jahr 2016 wurden in Deutschland dafür 640 Unternehmen berücksichtigt, die als AG an der Börse notiert sind. Die Marktkapitalisierung liegt bei ihnen bei ca. 1600 Mrd. Euro.

Es erfolgt eine Beurteilung der Marktkapitalisierung, danach wird eine Reihenfolge aufgestellt – die Länder werden entsprechend dieses Wertes gewichtet. Verständlicherweise ist der Anteil der USA besonders hoch, weil sie den größten Aktienmarkt haben. Dennoch ist der Anteil eines Landes nicht gleichbleibend, denn die Wichtung schwankt im Zuge der Entwicklung der Aktienmärkte des Landes. Das Indexgewicht steigt, wenn der Markt eines Landes stark zunimmt, die anderen Länder aber dahinter zurückbleiben. Eine Begrenzung der Ländergewichte gibt es nicht, daher kann ein Land den World Index stärker beherrschen, wenn die Börsenentwicklung entsprechend ist.

Video: MSCI World – Bester ETF und Indexfond auf Aktien weltweit?

Welche Unternehmen werden für den MSCI World ausgewählt?

Hauptkriterium für die Auswahl der Unternehmen, die im MSCI World Index erfasst werden, ist ihr Wert an der Börse. Das wertvollste Unternehmen war 2016 Apple, dessen Marktwert bei rund 605 Mrd. Dollar lag. Der kleinste Konzern, der für die USA auf der Liste enthalten ist, brachte gerade einmal 900 Mio. Dollar ein. Für die Marktkapitalisierung gibt es allerdings feste Grenzen, die nicht zu unterschreiten sind.

Außerdem ist es wichtig, dass die relevanten Aktien in einem ausreichenden Maß gehandelt werden. Experten reden hierbei von der Liquidität des Unternehmens. Erfüllt ein Unternehmen diese Kriterien nicht, wird es nicht auf die Liste des MSCI-World aufgenommen.
Der Indexanbieter nimmt in jedem Quartal eine Überprüfung der Zusammensetzung der Indexmitglieder vor, sodass andere Unternehmen die Chancen auf einen Aufstieg haben, während andere Firmen eventuell absteigen müssen.

Zu den größten Konzernen, die im MSCI-World geführt werden, gehören Apple, Microsoft, Exxon Mobil, Johnson & Johnson sowie JPMorgan Chase & Co. Natürlich finden sich auch Amazon und Facebook auf der Liste – neben einigen weiteren bekannten Unternehmensnamen. Entsprechende Auflistungen sind im Internet einsehbar bzw. auf den Börsenseiten zu finden.

Laufende Index-Berechnung üblich

Der World-Index wird immer wieder neu berechnet – genauer gesagt, erfolgt die Berechnung jede Minute neu. Dazu wird die Kursentwicklung der Aktien herangezogen, die wiederum in Indexpunkte umgerechnet werden. So ergibt sich am Ende nur noch eine einzige Zahl, die für die Bewertung wichtig ist. Berücksichtigt werden dabei nur die Kurse der Wertpapiere, deren Heimatbörse in dem Moment geöffnet ist. Für die anderen Titel werden die Schlusskurse herangezogen, die für den Vortag veröffentlicht wurden. Ein Beispiel: Ist die Börse in Japan geöffnet, sind die Börsen in Europa und in den USA aber noch geschlossen. Dieses Szenario besteht natürlich auch umgedreht, wobei die jeweils geöffneten Börsen die aktuellsten Werte bieten, die die größte Aussagekraft haben.

Video: ETF Suche: Finde den MSCI World ETF und die besten ETFs der Welt!

MSCI World als Brutto-, Netto- und Kurs-Index

Die Berechnung des MSCI-World-Index erfolgt in drei Varianten, wobei das Kursmodell praktisch als Basis zu sehen ist. Der Kursindex zeigt die Wertentwicklung der Wertpapiere, lässt aber Dividenden außen vor. Diese wiederum greift der MSCI-World-Brutto-Index auf und lässt ausgeschüttete Dividenden wieder in die Indexberechnung einfließen. Dies ist vergleichbar mit thesaurierenden Fonds. Die Wertentwicklung ist hierbei viel größer als bei dem Kursindex.

Die dritte Variante ist der MSCI-World-Netto-Index, bei dem die Dividenden nicht nur berücksichtigt, sondern auch investiert werden. Abgezogen werden hierbei allerdings die Quellensteuern, die einige Länder bei der Dividendenausschüttung erheben. Die Wertentwicklung des Nettoindexes ist daher weitaus geringer als die des Bruttoindexes.

Kleiner Ausflug in die Geschichte

Vielen deutschen Anlegern wird geraten, börsengehandelte Indexfonds für eine Investition zu nutzen. Diese werden auch als ETFs bezeichnet und ihre Entwicklung ist sehr gut am Netto-Index auf Eurobasis ablesbar. Diesen bilden alle ETFs in Deutschland ab, die auf dem MSCI World gehandelt werden.

Zwischen 1970 und 2016 konnte der Netto-Index regelmäßig eine jährliche Rendite von ca. sieben Prozent erzielen, wobei bis zum Jahr 1998 noch die Deutsche Mark als Zahlungsmittel berücksichtigt wurde. Die besten ETFs konnten in der gleichen Zeit rund 6,8 Prozent erzielen. In den vergangenen Jahrzehnten machte niemand, der in den MSCI-World investierte, einen Verlust, egal, zu welchem Zeitpunkt er einstieg. Die Renditen fielen allerdings je nach Kaufs- und Verkaufszeitpunkt verschieden aus. Durchschnittlich betrugen die Renditen rund 7,7 Prozent, im besten Fall sogar etwa 14 Prozent. Das schlechteste Ergebnis wurde mit 1,3 Prozent angegeben. Je kürzer der Zeitraum der Anlage ist, desto geringer fällt die Rendite aus bzw. desto größer sind die Unterschiede bei den Renditen.

Der September 2000 gilt bis heute als schlechtester Zeitpunkt für einen Einstieg der Anleger, denn damals platzte die Technologieblase und die internationalen Börsen brachen ein. Danach folgten die Anschläge des 11. September in den USA und der Energiekonzern Enron aus den USA musste in die Insolvenz gehen. Bis Ende März 2003 verlor der MSCI-World-Index (Netto) auf Eurobasis rund 54 Prozent. Um diesen Rückschlag wieder aufzuholen, brauchte es mehr als 13 Jahre! Das Problem war nämlich das Jahr 2007, als der nächste große Absturz stattfand und die Welt von der internationalen Finanzkrise erschüttert wurde.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten und so gab es einige längere Aufschwünge in der Geschichte, in der sich auch hohe Gewinne erzielen ließen. Der Netto-Index gab zu diesen Zeiten nie mehr als 20 Prozent nach. Seit März 2009 gibt es nun die drittlängste Phase des Aufstiegs seit 1970, wobei sich nicht mit Bestimmtheit sagen lässt, wie lange diese Phase noch dauern wird.

Video: 4 wichtige Kriterien bei der ETF-Auswahl: ETFs verstehen & vergleichen | Passiv Investieren #4Finanzfluss

Empfehlung: ETF auf den MSCI World

Wer möglichst einfach in viele Branchen, Unternehmen und Volkswirtschaften investieren will, sollte mit einem ETF auf den MSCI World setzen. Der Vorteil: Die breite Streuung verhindert einen allzu großen Einbruch, das Risiko der Investition wird minimiert. Gerade bei gemischten Anlagen ist der MSCI World sehr empfehlenswert und bildet sozusagen die Basis für alle weiteren Investitionen.

Nun stellt sich noch die Frage, ob ein synthetischer oder ein physischer ETF die bessere Wahl ist, wobei die Entscheidung darüber dem Verbraucher überlassen werden muss. Ein synthetischer ETF kauft nicht immer die Titel, die im World-Index enthalten sin. Er zeigt eher die Entwicklung über Tauschgeschäfte mit den Banken. Anders sieht es bei den physischen ETFs aus, die größtenteils auf die Aktien setzen, die im World-Index enthalten sind. Ein Verlust des investierten Geldes ist meist nur theoretisch möglich, praktisch kommt er kaum vor.
Tipp: Ab 2018 werden synthetische und physische ETFs steuerlich gleich behandelt, was bisher noch nicht der Fall ist.

Anleger sollten daher entscheiden, ob der ETF die Wertpapiere des MSCI World kaufen soll, ob Dividenden ausgeschüttet oder diese angespart werden sollen. Außerdem sollte geklärt werden, ob der ETF die Wertpapiere nachkaufen soll (physische Variante) oder ob die Entwicklung über das Tauschgeschäft abgesichert werden soll (synthetische Variante).

Beispiel iShares MSCI World UCITS: Dieser Fonds hat zum Ziel, eine Gesamtrendite zu erwirtschaften, die wiederum die Rendite der Aktienmärkte auf der ganzen Welt abbildet. Dafür muss der Fonds in erster Linie Aktien-Investitionen tätigen, wobei auch andere Wertpapiere gehandelt werden können. Derivate werden ebenfalls eingesetzt und ermöglichen ein effizienteres Management des Portfolios sowie der Direktanlagen. Der iShares MSCI World UCITS wird in der Kategorie „Aktienfonds International“ gehandelt.

ETFs sind eine gute Basis für Investitionen und bilden das Fundament für kombinierte – gemischte – Anlageportfolios, wobei hier Festgeld, Tagesgeld und Aktieninvestitionen zusammengenommen werden. (#01)

ETFs sind eine gute Basis für Investitionen und bilden das Fundament für kombinierte – gemischte – Anlageportfolios, wobei hier Festgeld, Tagesgeld und Aktieninvestitionen zusammengenommen werden. (#01)

Kurze Zusammenfassung

  • Der MSCI-World ist ein Aktienindex, der die größten Unternehmen der industriell hoch entwickelten Länder bündelt, wobei deren Börsenwert zugrunde gelegt wird.
  • Enthalten sind mehr als 1600 Aktien aus über 23 Ländern.
  • Die Streuung über verschiedene Länder, Wirtschaftszweige und Branchen sowie diverse Währungen ist gegeben.
  • Das höchste Gewicht haben US-Aktien mit einem Anteil von über 60 Prozent Ende 2016.
  • Die durchschnittliche Rendite der Anleger in Indexfonds, die börsengehandelt wurden, liegt bei 6,8 Prozent pro Jahr seit 1970.
  • ETFs sind eine gute Basis für Investitionen und bilden das Fundament für kombinierte – gemischte – Anlageportfolios, wobei hier Festgeld, Tagesgeld und Aktieninvestitionen zusammengenommen werden.

Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: JensHN -#01: wsf-s

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

Leave A Reply