High Yield Bonds: Kurze Laufzeiten bei High Yield Short Duration

High Yield Bonds sind etwas für risikoreiche Investoren: Es geht um hoch verzinste Anleihen angeschlagener Unternehmen. Das Rating ist schlecht, dafür sind hohe Gewinne möglich. Klingt verlockend, doch Achtung ist geboten.

High Yield Bonds: Was macht sie so riskant?

High Yield Bonds sind – wortwörtlich – sog. Hochzinsanleihen, bei denen der Name wirklich Programm ist: Investoren erhalten im Vergleich zu anderen Anleihen, bei den High Yield Bonds hohe Zinsen auf das geliehene Geld. Sie gehen dafür aber auch ein weit größeres Risiko ein. In aller Regel handelt es sich bei diesen Bonds um Unternehmensanleihen, die von Ratingagenturen als äußerst spekulativ eingestuft werden. Der Grund: Die (privaten oder öffentlichen) Unternehmen, die sie ausgeben, weisen eine mittelmäßige bis niedrige Kreditwürdigkeit auf, sie gehören damit zum „Non-Investment-Grade“-Sektor.

Mit anderen Worten: Die wirtschaftliche Zukunft der entsprechenden, meist kleineren Firmen ist unsicher. Nicht selten handelt es sich um Unternehmen, die bereits hoch verschuldet sind. Das Risiko, dass das Unternehmen das geliehene Geld nicht zurückzahlen kann, ist also viel höher als bei solchen, denen die Ratingagenturen eine hohe – oder zumindest ausreichende – Kreditwürdigkeit bescheinigen („Investment-Grade“).

Video: Bond TV: „High-Yield Anleihen – Nachfrage wird immer größer“ | Börse Frankfurt

High Yield Bonds mit hohen Kursschwankungen

Bevor Anleger in diese teils hoch spekulativen Bonds investieren, müssen sie wissen, dass diese Anleihen auch für ihre hohen Kursschwankungen bekannt sind. Besonders in wirtschaftlich schwierigen, also konjunkturschwachen Phasen: Finanzkrisen, geplatzte Blasen, Bankenpleiten. Ein Beispiel: Nachdem 2008 die US-Immobilienblase geplatzt war und es in der Folge zur weltweiten Finanzkrise kam, verloren die Hochzinsanleihen rund 30 Prozent ihres Wertes. Daher brauchen Investoren bei diesen Bonds vor allem eines: Weitblick und einen ausreichenden Anlagenhorizont. Oder aber sie verfügen über so viel Kapital, dass sie mögliche Verluste und Ausfälle nicht in die Pleite treiben.

Die Ratingagentur Moody’s untersuchte vor einiger Zeit im Rahmen einer Studie, die Verlustrate bei klassischen Unternehmensanleihen mit guter oder ausreichender Kreditwürdigkeit. Und zwar im Zeitraum von 28 Jahren, von 1982 bis 2010. Das Ergebnis: die Verlustrate betrug jährlich nur rund 0,06 Prozent. Die Rate bei Hochzinsanleihen im gleichen Zeitraum: 2,8 Prozent pro Jahr. Kam es in bestimmten Jahren zu Wirtschaftskrisen oder Rezession, war die Ausfallrate der High Yield Bonds noch höher: sie stieg auf bis zu 10 Prozent. Das passierte z.B. Anfang der 90er-Jahre, kurz nach dem Millennium sowie nach der internationalen Finanzkrise 2008.

Der Vorteil der „Short Duration“

Short Duration – also die kurze Laufzeit einer Anleihe, macht für viele Anleger einen nicht unerheblichen Reiz aus, gerade bei den High Yield Bonds. In der Regel beträgt die Restlaufzeit von Short-Duration-Bonds ein bis drei Jahre. Daher nennt man sie in der Finanz- und Kapitalmarktbranche schlicht „Kurzläufer“. Kein Geheimnis ist, dass sich die Restlaufzeit einer Anleihe auf ihren Kurs auswirkt.

Kurse von Bonds mit kurzen Laufzeiten werden jedoch weniger stark von Zinsänderungen oder Schwankungen beeinflusst, als Anleihen mit einer langen Restlaufzeit. Während es bei Anleihen mit langer Restlaufzeit bei einem Anstieg des Zinsniveaus schnell zu Kursverlusten kommt, bleiben die High Yield Bonds davon unberührt.

Rechnet ein Investor mit einem solchen, baldigen Zinsanstieg, schlägt die Stunde der „Kurzläufer“ im Bereich High Yield: die Investoren konzentrieren sich dann auf Hochzinsanleihen mit kurzer Laufzeit, um den drohenden Kursverlusten zu entgehen. Je kürzer die Laufzeit bis zur Rückzahlung der Anleihen, desto stabiler der Anleihen-Kurs bei Zinsänderungen.

Investoren greifen häufig zu den hoch verzinsten Risikoanleihen, wenn sie Anlagemöglichkeiten mit hoher Rendite suchen. Es geht darum, in kurzer Zeit hohe Gewinne zu erzielen. Das hohe Ausfallrisiko wird dafür in Kauf genommen.  (#01)

Investoren greifen häufig zu den hoch verzinsten Risikoanleihen, wenn sie Anlagemöglichkeiten mit hoher Rendite suchen. Es geht darum, in kurzer Zeit hohe Gewinne zu erzielen. Das hohe Ausfallrisiko wird dafür in Kauf genommen. (#01)

High Yield Bonds: Kann die Blase platzen?

Investoren greifen häufig zu den hoch verzinsten Risikoanleihen, wenn sie Anlagemöglichkeiten mit hoher Rendite suchen. Es geht darum, in kurzer Zeit hohe Gewinne zu erzielen. Das hohe Ausfallrisiko wird dafür in Kauf genommen. Beachtet werden muss, dass auch bei High Yield Bonds eine platzende Blase nicht ausgeschlossen ist. Eine Anleihenblase entsteht – wie auch die Blase bei Aktien – nach folgendem Muster: Anleger investieren ihr Geld, das aus Krediten (also Fremdkapital) stammt, in Anleihen. Die Folge sind steigende Kurse. Platzt die Blase, sinken die Kurse unaufhaltsam.

Diese Gefahr kennt man vom Aktienmarkt (z.B. als die Dotcom-Blase im Jahr 2000 platzte oder beim massiven Abrutschen der US-Immobilienaktien ab 2007). Darüber hinaus sprachen Börsianer und Marktbeobachter in jüngerer Vergangenheit verstärkt von der Gefahr massiver Kurseinbrüche an unterschiedlichen Finanzmärkten. Auch vom Platzen der US-Aktienblase war hier und da die Rede, so etwa bei den Finanzmarkt-Experten vom Investor-Verlag.

High Yield Bonds und Aktien: Viele Ähnlichkeiten

Wem die Ähnlichkeiten von Aktien mit High Yield Bonds in einigen wesentlichen Punkten auffallen, liegt richtig. Die beiden Anlageformen weisen sogar Gemeinsamkeiten auf:

  • Aktien mit einer hohen Dividende werden auch als High Yield Stocks bezeichnet. Es sind Wertpapiere von Unternehmen mit geringer Kreditwürdigkeit bzw. schlechter Bonität
  • High Yield: die Bezeichnung steht also sowohl bei Bonds als auch bei Aktien immer für ein erhöhtes Ausfallrisiko. High Yield ist das risikoreichste Segment unter den Anleihen („Non-Investment-Grade“). Auch der Handel mit Aktien allgemein ja bekannt dafür, nicht gerade risikoarm zu sein
  • Die Nervosität vieler Anleger zeigt sich sowohl bei Aktien als auch den Hochzinsanleihen in Form schwankender Wertentwicklungen – oft parallel

Diese Auflistung macht deutlich, dass man nur mit langjähriger Kapitalmarkt-Erfahrung in Hochzinsanleihen anlegen sollte. Fragt ein Sparer bei seiner Bank nach passenden, möglichst sicheren Möglichkeiten zur Kapitalanlage, wird ihm der Mitarbeiter wahrscheinlich gar nicht oder erst ganz zum Schluss (dann mit ausführlicher Aufklärung über die Risiken) zu einer Sache raten: in High Yield Bonds zu investieren.

Video: Börsenwissen: Was sind Secured High-Yield-Bonds? Interview Jan Sobotta (Swisscanto)

Bonds aus dem „Non-Investment-Grade“-Segment: Vorteile

Wenn Notenbanken ihre Leitzinsen kontinuierlich senken und das Zinsniveau immer weiter gedrückt wird, dann ist es kaum mehr möglich, mit risikolosen, sicheren Investments hohe Renditen einzufahren. Kein Wunder, dass für viele Anleger im Zuge dessen, die High Yield Bonds an Attraktivität gewinnen: Hohe Erträge sind möglich, oft in vergleichsweise kurzer Zeit.

Darüber hinaus bieten diese Bonds noch weitere Vorteile, vorausgesetzt der Anleger ist erfahren und so solvent, dass er entstandene Ausfälle auch im Notfall ausgleichen kann:

  • Hochzinsanleihen bieten einen besseren Schutz gegen Inflation als Bonds aus dem „Investment-Grade“-Sektor
  • Auf ein sinkendes Zinsniveau reagieren High Yield Bonds weniger schwankend als andere, risikoarme Bonds
  • Steigt das Zinsniveau, fallen zwar die Kurse der Hochzinsanleihen, allerdings weniger stark als bei Bonds mit kurzer Laufzeit (Short Duration). Wenn man eine Anhebung der Zinsen erwartet, lohnt es, Anleihen mit kurzer Restlaufzweit im Portfolio zu haben

Übrigens: der große Vorteil von Hochzinsanleihen gegenüber Aktien: wer in Bonds investiert hat (unabhängig ob im „Investment Grade“- oder „Non-Investment-Grade“-Segment) genießt gegenüber dem Inhaber von Aktien, eine Vorrangstellung. Der Aktionär hält Anteile am Unternehmen, der Anleihe-Inhaber aber ist Gläubiger.

Heißt im Umkehrschluss: Geht das Unternehmen in die Insolvenz, haben die Ansprüche des Anleihen-Inhabers Vorrang gegenüber denen des Aktionärs. Auch ein Grund, wieso im Falle einer Unternehmenspleite, Aktionäre nicht selten völlig leer ausgehen und das investierte Kapital verloren ist.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: LudwigChrist  _-#01: LudwigChrist  _

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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