Wertpapieranleger der Sparkasse Bremen erleiden Schäden in Millionenhöhe

23.04.2002 | Bremen
Wertpapieranleger der Sparkasse Bremen haben seit Frühjahr 2000 erhebliche Kursverluste bei Aktiengeschäften hinnehmen müssen. Schuld ist nach Auffassung mehrerer bekannter Anlegeranwälte nicht allein die aktuellen Baisse der Börse, sondern in erster Linie eine nicht anlegergerechte Beratung durch die zuständigen Mitarbeiter der Sparkasse, die obendrein unvernünftig hohe Risiken eingegangen seien.

Mitarbeiter der Sparkasse, die obendrein unvernünftig hohe Risiken eingegangen seien. Das Risiko sei noch zusätzlich gesteigert worden, berichteten die Anwälte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Dienstag in Bremen, weil die spekulativen Wertpapiergeschäfte, insbesondere auch der Erwerb von Neue Markt-Aktien, im großen Umfang fremdfinanziert wurden.

Rechtsanwalt Peter Hahn von der Bremer Kanzlei Hahn, Reinermann & Partner vertritt zahlreiche Kunden des Institutes, die in Aktiengeschäften hohe Verluste erlitten haben: "Der Gesamtschaden der von uns vertretenen Mandanten beläuft sich auf mehrere Millionen EURO. Zwei Fälle geschädigter Sparkassenkunden hat unsere Kanzlei außergerichtlich mit Vergleichen von 100 % bzw. annährend 100 % abgeschlossen. In zwei anderen Fällen haben wir beim Landgericht Bremen Klage erhoben, zwei weitere werden in den nächsten Tagen folgen."

Weitere Anleger werden von Rechtsanwalt Dietmar Kälberer von der Kanzlei Tilp & Kälberer aus Berlin (www.tilp-kaelberer.de) vertreten. Viele Fälle weisen deutliche Parallelen auf: Den meisten Kunden wurde zeitgleich - z.T. in faktischer Vermögensverwaltung - der Kauf identischer Aktien empfohlen. Dabei wurden die Anleger zusätzlich zur Aufnahme von Fremdwährungskrediten verleitet. Die Finanzierung erfolgte erst in Schweizer Franken, später in Japanische Yen. Rechtsanwalt Hahn: "Über die Höhe des in Anspruch genommenen Fremdwährungskredites und die Währungskursschwankungen wurden die Kunden teilweise überhaupt nicht, jedenfalls aber nicht zeitnah informiert." Außerdem erheben wir den Vorwurf der Provisionsschneiderei (Churning), weil - in einem Beispielsfall - ca. 60 % der Wertpapiere 15 Tage oder weniger gehalten wurden, von einer faktischen Kontrolle des Depots durch die Sparkasse auszugehen war und Rechtfertigungsgründe für das hohe Umsatzvolumen in Form einer vernünftigen Anlagestrategie nicht gegeben waren.

Mitarbeiter der Sparkasse haben selbst bei Eigengeschäften auf Kreditbasis Millionen "verzockt". Hahn: "Sie waren deshalb zu einer objektiven Beratung nicht in der Lage." Ein vernünftiges Kontrollsystem sei bei der Sparkasse nicht installiert, eine Trennung zwischen Wertpapier- und Kreditgeschäft nicht vorhanden gewesen. Ein zwischenzeitlich gefeuerter Wertpapierberater der Sparkasse will die skandalösen Zustände öffentlich machen. Dies hat ihm die Sparkasse per einstweiliger Verfügung beim Arbeitsgericht untersagt. Sönke Liebig wird von Rechtsanwalt Jens-Peter Gieschen aus Harpstedt (www.dasanwaltsbuero.de) vertreten, der sich in den Audi TT-Fällen einen Namen gemacht hat. Die Sparkasse will offenbar verhindern, vor einer für das Wochenende geplanten Werbeveranstaltung negativ in die Schlagzeilen zu geraten.

Nach eigenen Angaben hat die Sparkasse Bremen den Umsatz im Wertpapiergeschäft im ersten Halbjahr 2000 gegenüber 1999 um rund 45 Prozent gesteigert. Dabei hat sich der Umsatz bei Aktien und Investmentzertifikaten mehr als verdoppelt. Die Anwälte führen das vor allem auf das "besondere" Engagement des Institutes zurück.

Rechtsanwalt Peter Hahn: "Die Sparkasse empfahl selbst konservativen Kunden, die ihr Geld vorher auf Sparbüchern angelegt hatten, den Erwerb von spekulativen Julius Bär-Fonds oder hat die Papiere sogar in faktischer Vermögensverwaltung ohne vorherige Rücksprache erworben." Die Sparkasse Bremen hatte einen Kooperationsvertrag mit der Frankfurter Julius Bär Kapitalanlage AG. Fondsmanager war der mittlerweile abgelöste Neue Markt-Guru Kurt Ochner. Hahn: "Die Kunden wurden nicht, wie von der Rechtssprechung gefordert, zeitnah bei eingetretenen Verlusten von 15 - 20 Prozent benachrichtigt. Schließlich habe die Sparkasse zahlreichen Kunden den Erwerb von Argentinien-Anleihen empfohlen; hier seien die nächsten Millionenverluste für die Anleger vorprogrammiert."

Quelle: Pressemeldung Hahn Rechtsanwälte Partnerschaft

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