RZB-Konzern: Solide Entwicklung vor schwierigem Hintergrund

18.12.2008 | Wien
Die Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB) berichtet über das erwartete Ergebnis ihres Konzerns für das Geschäftsjahr 2008.

"Vor dem schwierigen Hintergrund einer verschärften Finanzkrise zeigt die RZB auch 2008 eine solide Entwicklung. Durch ein ausgezeichnet laufendes operatives Geschäft absorbiert die RZB die negative Wirkung der Finanzkrise vollständig und aus eigener Kraft", sagt RZB-Generaldirektor Walter Rothensteiner.

Das erste Halbjahr war noch von den gewohnten Zuwachsraten geprägt, im Herbst kam es schließlich zu einer Zuspitzung der globalen Finanzmarktkrise. Bis dahin waren zwar gestiegene Refinanzierungskosten sowie negativ wirkende Marktbewertungen von Wertpapieren und Finanzinstrumenten zu verzeichnen, aber ab Mitte September kam der Kapitalmarkt, insbesondere der Interbankenmarkt, fast zum Erliegen. Zwischenzeitlich wurden durch nationale Regierungen vertrauensfördernde und eigenkapitalstärkende Maßnahmen für die Finanzsektoren ergriffen. Sie zielen darauf ab, die Märkte wieder zu beleben.

Weichenstellungen ergriffen

Die RZB hat angesichts des geänderten Umfelds die nötigen Weichenstellungen vorgenommen: Da im Markt mittlerweile höhere Kapitalquoten als nötig betrachtet werden, wird die RZB mit Hilfe ihrer Aktionäre noch im laufenden Jahr ihre Kernkapitalbasis substanziell steigern. Damit sollen Wettbewerbsnachteile verhindert werden. Gleichzeitig passt sie ihr Wachstum an die veränderte Refinanzierungsbasis an, weil der Kapitalmarkt nicht mehr wie gewohnt funktioniert. So soll das Wachstum der Bilanzsumme im Jahr 2009 bei rund 5 Prozent eingegrenzt werden. Auch im Hinblick auf schlechtere makroökonomische Rahmenbedingungen und einer sich verändernden Struktur der Finanzbranche überprüft sie ihre strategische Ausrichtung auf Potenziale. Dieser Prozess soll im ersten Quartal 2009 abgeschlossen werden.

"Trotz Konjunkturabschwächung bietet unser Heimmarkt Österreich und Zentral- und Osteuropa exzellente Chancen, die wir dank unserer guten Positionierung auch in Zukunft nützen werden", erläutert Rothensteiner.

Österreich und CEE bleiben zentraler Geschäftsschwerpunkt

Klarer Geschäftsschwerpunkt der RZB bleibt neben Österreich weiterhin auch Zentral- und Osteuropa (CEE). In Österreich hat die RZB zentrale Bedeutung für den Markt. Sie ist eine führende Kommerzkundenbank und Spitzeninstitut der Raiffeisen Bankengruppe, der stärksten Bankengruppe des Landes. Das Geschäft mit Firmenkunden ist die tragende Säule des Österreichgeschäfts der RZB. Es hat sich auch 2008 gut entwickelt.

In CEE war die RZB nicht nur Pionier in der Erschließung und Modernisierung der Bankenmärkte, sondern ist mittlerweile die zweitgrößte regionsweit agierende Bank. Der CEE-Fokus basiert auf einem nachhaltigen Bekenntnis zur Region, das auch durch kurzfristige Rückschläge nicht zu erschüttern ist. Sie hat etwa nach der Russlandkrise 1998 trotz negativer Einschätzung durch die Ratingagenturen als erste internationale Bank ihre lokale Tochter rekapitalisiert. In den Folgejahren hat die RZB eine unerreichte geografische Diversifikation erlangt und eines der stärksten Banknetzwerke in CEE errichtet. Alleine im 3. Quartal 2008 wurden in CEE rund 200.000 Neukunden für Raiffeisen gewonnen. Die Gesamtzahl der Kunden in CEE erhöhte sich damit auf 14,6 Mio.

Bilanzsumme wieder unter 160 Mrd. Euro

Im Gesamtjahr erhöht sich die Bilanzsumme der RZB um 14 Prozent auf voraussichtlich rund 157 Mrd. Euro. Im vierten Quartal verringerte sich allerdings die Bilanzsumme, die Ende des dritten Quartals noch 162 Mrd. Euro betrug. Gründe dafür sind vor allem das zurückgefahrene Zwischenbankgeschäft und die Wechselkursentwicklung, insbesondere des Euro gegenüber CEE-Währungen.

Betriebsergebnis um ein Viertel verbessert

Das operative Geschäft der RZB verläuft weiterhin ausgezeichnet. Obwohl das ihm zurechenbare Handelsergebnis krisenbedingt zurückging, übertrifft das Betriebsergebnis sogar den Rekordwert des Vorjahres um etwa ein Viertel. Es wird voraussichtlich bei rund 2,5 Mrd. Euro liegen. Da die Erträge höhere Zuwächse aufweisen als die Kosten, verbessert sich auch die Cost/Income Ratio um circa 0,7 Prozentpunkte auf voraussichtlich 56,2 Prozent.

700 Mio. Vorsteuergewinn trotz Auswirkungen der Krise

Die RZB erwartet einen Rückgang des Gewinns vor Steuern um rund die Hälfte auf 700 Mio. Euro. Die Folgewirkungen der Finanzkrise haben dieses Ergebnis gedrückt. So summierte sich der negative Effekt der gemäß internationaler Bilanzierungsrichtlinien (IFRS) vorgeschriebenen Marktbewertungen von Wertpapieren und Finanzinstrumenten im Jahr 2008 auf rund 750 Mio. Euro. Weiters sind signifikante Wertberichtigungen in Folge der Krise bereits in den Vorsteuergewinn eingeflossen (z.B. betreffend Lehman oder isländische Kunden).

Partizipationskapital stärkt Kernkapitalbasis

Die gesamten Eigenmittel der RZB werden für den Bilanzstichtag bei rund 11,2 Milliarden Euro erwartet, um circa 9 Prozent mehr als zum Jahresende 2007. Das Kernkapital wird sich voraussichtlich um circa 12 Prozent auf rund 8,2 Milliarden Euro erhöhen. Die korrespondierende Eigenmittelquote ist circa 9,7 Prozent, die Kernkapitalquote voraussichtlich 8,2 Prozent (berechnet auf das Bankbuch) bzw. rund 7,0 Prozent (inklusive operationalem und Marktrisiko), wobei der IRB-Ansatz gemäß Basel II neu zum Einsatz kam.

Der Anstieg des Kernkapitals ist vor allem auf die routinemäßig durchgeführte Kapitalerhöhung im November, eine privatplatzierte Partizipationskapital-Emission im September und eine Emission von Paritizipationskapital im Dezember zurückzuführen. Letztere wird laut Aufsichtsratsbeschluss vom 17. Dezember den RZB-Aktionären zur Zeichnung angeboten. Das erwartete Volumen beträgt 750 Mio. Euro. "Die Aktionäre der RZB haben ihre Bank im Jahr 2008 signifikant mit Kernkapital gestärkt. Das ist ein klarer Vertrauensbeweis in den Kurs der RZB und ein guter Indikator für den starken Zusammenhalt in der Raffeisen Bankengruppe", sagt Rothensteiner.

Darüber hinaus verfügt die RZB über genehmigtes Partizipationskapital in der Höhe von 2 Mrd. Euro, das sie mit Zustimmung des Aufsichtsrats begeben kann. Die RZB qualifiziert sich für die eigenkapitalstärkenden Maßnahmen der Republik Österreich im Rahmen des Finanzmarktstabilitätsgesetzes. Der Republik Österreich wurde 2008 kein Partizipationskapital zur Zeichnung angeboten, da die von ihr erwartete Abgeltung in Höhe eines halben Jahreskupons nicht wirtschaftlich gewesen wäre. Ob und wie viel Partizipationskapital die RZB im Jahr 2009 begeben wird, ist noch nicht beschlossen.

Quelle: Pressemeldung Raiffeisen Zentralbank Österreich AG

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