Marktkommentar: Zeichen für Konjunkturerholung stehen gut
Die Erholung der Weltwirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten fortgesetzt. Damit bestätigen sich die volkswirtschaftlichen Frühindikatoren, die bereits seit Jahresanfang auf eine konjunkturelle Besserung hindeuten. Allerdings ist die aktuelle Entwicklung zunächst nur eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau - und das trotz der enormen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen.
Ob in den nächsten Monaten ein nachhaltiger, sich selbst tragender Aufschwung gelingt, wird davon abhängen, ob die nachlassenden Effekte der geleisteten Hilfsmaßnahmen durch private Nachfrage abgelöst werden.
Internationale Aktien- und Rentenmärkte entwickeln sich positiv
An den Aktienmärkten setzte sich die Rallye zuletzt stetig fort. Diese wurde lediglich Ende Oktober durch eine Korrektur unterbrochen, die einen Kursrückgang von etwa 10 Prozent bescherte. Im Jahresverlauf springt besonders die rasante Kursentwicklung an den asiatischen Märkten ins Auge. Die Region Asien hat sich wirtschaftlich von den negativen Entwicklungen in den westlichen Industrieländern abgekoppelt, was auch die Börsen honoriert haben. Dagegen konnte der japanische Markt in den letzten Wochen nicht mehr von der guten Stimmung an den anderen Börsen profitieren. Diese Entwicklung sollte auch zukünftig fortbestehen.
An den Rentenmärkten setzte sich die positive Tendenz fort. Die relativ geringen Wachstumsaussichten für 2010 sowie die niedrigen Verbraucherpreise begünstigten die Kursentwicklung der Staatsanleihen. Besser schnitten aber in den Herbstmonaten erneut Unternehmensanleihen ab. Ihre Risikoprämien sanken wieder auf das Niveau von vor der Finanzkrise.
Zentralbanken halten an expansiver Geldpolitik fest
Die amerikanische und die europäische Zentralbank haben bis zuletzt an ihrer expansiven Geldpolitik festgehalten. Jüngste Äußerungen der FED lassen darauf schließen, dass sich an ihrer Haltung auch so schnell nichts ändern wird, da die Gefahr zu groß wäre, das zarte Pflänzchen Wachstum bereits im Keim zu ersticken. Dieses Risiko ist vor allem durch das geringe Vertrauen sowie die schlechte Verfassung der US-Verbraucher gegeben. Aufgrund des moderaten Wirtschaftswachstums sowie der bisher unkritischen Preisentwicklung ist in den kommenden Monaten auch nicht mit Zinsanhebungen zu rechnen. Für den Anleger bedeutet dies, dass er nach rentableren, aber auch risikoreicheren Alternativen Ausschau halten muss.
Staatsanleihen: Renditen geben nach
An den Märkten für Staatsanleihen haben die Renditen liquiditätsbedingt bereits deutlich nachgegeben. Die deflatorische Tendenz der Verbraucherpreise lässt den Realzins zur Zeit immer noch attraktiv erscheinen. Ein Anziehen der Preise ist aber in den nächsten Monaten bereits absehbar. Vor diesem Hintergrund sollten lange Anleihelaufzeiten gemieden werden und Titel mit einer Restlaufzeit von drei bis maximal fünf Jahren gewählt werden. Aufgrund der Steilheit der Zinsstrukturkurve sind diese Laufzeiten gegenüber Kurzläufern deutlich attraktiver. Unter qualitativen Aspekten bleiben in Europa die Länder Deutschland, Frankreich und die Niederlande erste Wahl.
Unternehmensanleihen: Rallye setzt sich fort
Die Rallye der Unternehmensanleihen setzte sich bis Mitte November fort. Die Anzeichen einer konjunkturellen Erholung sowie die gestiegene Risikobereitschaft der Marktteilnehmer haben den Markt in eine wahre Euphorie versetzt. "Auf dem erreichten Renditeniveau halten wir eine Übergewichtung von Unternehmensanleihen nicht mehr für sinnvoll. Die Risikoprämien sollten sich nicht mehr stark einengen, so dass der Einzeltitelauswahl höhere Bedeutung beizumessen ist. Wir favorisieren weiter defensive Titel aus konjunkturresistenten Branchen wie zum Beispiel Telekommunikation und Versorger", so Michael Schürmann, Portfoliomanager der Gries & Heissel Bankiers AG.
Für eine vorsichtigere Gangart spricht auch die Flut von Neuemissionen, welche zu einer Belastung der Märkte werden könnte. Sollte der positive Kursverlauf erst einmal ins Stocken geraten, könnten auch umfangreiche Gewinnmitnahmen einsetzen.
Weiter positiv beurteilt Michael Schürmann die Anleihen von Schwellenländern, deren Anleihen circa drei Prozent Renditeaufschlag erwirtschaften. Aufgrund der niedrigen Verschuldung sowie hoher Reserven vieler Schwellenländer besitzen deren Währungen Aufwertungspotenzial. Vor diesem Hintergrund seien Anleihen in lokaler Währung besonders interessant.
Übergewichtungen von Aktien abbauen
An den Aktienmärkten gilt es, die volkswirtschaftlichen Daten genau im Auge zu behalten, da in den Kursen bereits eine Konjunkturerholung eingepreist sein sollte. Tritt diese nicht wie erwartet ein, drohen auch an der Börse Rückschläge. Vor allem aber unter monetären Aspekten dürfte der Kursaufschwung zunächst anhalten. Die hohe Liquidität sowie die geringe Attraktivität von Alternativanlagen sollten die Nachfrage nach Aktien weiter auf hohem Niveau halten und das Ausmaß von Korrekturen begrenzen. "Aufgrund des bereits spürbar gestiegenen Kurs- und Bewertungsniveaus raten wir aber dennoch, Übergewichtungen von Aktien abzubauen. Regional betrachtet, empfehlen wir eine neutrale Ausrichtung für Europa und die USA. Dagegen würden wir Japan aufgrund fehlender Perspektiven untergewichten. An unserer positiven Einschätzung Asiens halten wir weiter fest und empfehlen die strategische Positionierung mit Hilfe von diversifizierten Investmentfonds. Die Region verfügt langfristig über die besten wirtschaftlichen Voraussetzungen. Wir sind daher überzeugt, dass Asien zukünftig die führende Rolle in der Weltwirtschaft übernehmen wird und sehen an den asiatischen Börsen langfristig die größten Potenziale", so Michael Schürmann.
Rohstoffe: CRB-Index gestiegen
Der viel beachtete CRB-Index, der die Preisentwicklung von 19 Rohstoffen widerspiegelt, ist in den letzten Wochen weiter angestiegen. Damit profitierte er von den Impulsen der anziehenden Weltwirtschaft. Nach den starken Aufschlägen für Industriemetalle gaben deren Preise ab September nach. Zweifel an der Nachhaltigkeit des globalen wirtschaftlichen Aufschwungs sowie nachlassende Käufe durch China führten zu einer Preisberuhigung.
Die Nahrungsmittelpreise dagegen legten ab Oktober deutlich zu, nachdem diese im Jahresverlauf stagniert hatten.
Besonders kräftig verlief in den Herbstmonaten der Preisanstieg der Edelmetalle, die von den Sorgen über die expansive Geldpolitik profitierten. Deutlich gemächlicher war dagegen der Verlauf der Energiepreise. Die hohen Lagerbestände von Rohöl stellen weiter einen Belastungsfaktor dar. Nachdem der Ölpreis in den Sommermonaten in einer Preisspanne zwischen 65 US-Dollar und 75 US-Dollar seitwärts gelaufen war, brach er im Oktober nach oben aus und erreichte in der Spitze 82 US-Dollar. Für die Preisaufschläge dürften primär die Hoffnungen auf eine Erholung der Weltkonjunktur verantwortlich sein. Eine florierende Weltwirtschaft sollte schließlich mit einem höheren Ölverbrauch einhergehen. Aus diesem Grund rechnet auch die OPEC für 2010 mit einer anziehenden Ölnachfrage.
Quelle: Pressemeldung Delta Lloyd Deutschland AG
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